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20190624 hagenoheEin kleines, verschlafenes Nest namens Hagenohe in der Oberpfalz liegt tief eingebettet in einem Tal, ringsum von Hängen mit Wiesen, Äckern und Bäumen umgeben. Dieser idyllisch anmutende Ort erlebte 2009 das schlimmste Desaster in seiner Dorfchronik: ein Gewitter mit Starkregen zog über Hagenohe hinweg und flutete in rasender Geschwindigkeit das veraltete Kanalsystem und überschwemmte das Dorf stellenweise meterhoch.

Das sollte den Menschen in Hagenohe nicht noch einmal passieren, wurde im Gemeinderat der Kreisstadt Auerbach danach beschlossen, ein wirksamer Hochwasserschutz musste gefunden werden.

Zunächst war die Rede von zwei, drei großen Dämmen an exponierten Stellen. Dagegen regte sich Widerstand bei den Menschen – zu gewaltig, zu groß der Eingriff in das Landschaftsbild, sehr hohe Kosten und der Verlust ortsnaher Flächen. Man wollte lieber eine kleinteilige, auf viele Flächen verteilte Lösung.

Also suchten die Oberpfälzer weiter und stießen auf die Initiative „boden:ständig“ der ALEs (Amt für Ländliche Entwicklung), welche wiederum dem Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zugeordnet sind. Was sich die Kommunalpolitiker und die Bürger vor Ort mithilfe der Spezialisten des Projekt „boden:ständig“ ausgedacht und letztendlich in Hagenohe umgesetzt haben, besichtigten kürzlich Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier gemeinsam mit Stadtratskollegen und Landwirten aus unserer Region. Der Bürgermeister erklärte zu Beginn der Fahrt seine Beweggründe für diese Reise: „Auch bei uns nehmen die Starkregenfälle immer mehr zu und richten Schäden an, wie zum Beispiel im Jahr 2016, als die Laugna über die Ufer trat.“ Weitere Ortsteile Wertingens seien ebenfalls immer wieder von Überflutungen betroffen, so Lehmeier weiter, insbesondere Roggden und Hohenreichen.

Zwei beinahe voll besetzte Reisebusse machten das Interesse für die in Hagenohe umgesetzte dezentrale Lösung für einen wirksamen Hochwasserschutz deutlich. Bernhard Bacherle, Leiter des Projekts „boden:ständig“ am ALE Schwaben und seine Kollegen organsierten die Exkursion in die Oberpfalz. Sie erklärten gemeinsam mit Landschaftsarchitekt Wolfgang Fetsch die Schutzmaßnahmen rings um den kleinen Ort:  „Zum einen haben wir an vielen  verschiedenen Stellen durch Wegerhöhungen Rückhalteflächen geschaffen, die jedoch für den Landwirt weiter bewirtschaftbar bleiben.“ Durch eingebaute sogenannte Drosselschächte lässt man dann das Stauwasser nach und nach in den kommunalen Abwasserkanal abfließen. Weiter verbreiterte man entlang der talwärts verlaufenden Feldwege die Gräben und legte durch Blocksteine kleine Staustufen an. Ergänzt durch Absetzbecken und weitere Veränderungen in der Grabenführung wird jetzt das Wasser weiter abgebremst und mitgeführtes Erdreich setzt sich an Ort und Stelle ab, statt ins Kanalsystem zu gelangen. Bacherle erklärte: „Die Landwirte in Hagenohe nutzen auch auf der Fläche ihre Möglichkeiten zum Rückhalt, nämlich durch Erosionsschutzstreifen oder die Ansaat im Mulch- oder Direktsaatverfahren.“ Der Fachmann verweist aber auch darauf, „dass es mit vielen kleinen Maßnahmen machbar ist, das Wasser länger in der Landschaft zu halten, statt es so schnell wie möglich in Vorfluter und Kanäle abzuführen.“ Hier spielte er auf den Trockensommer 2018 an: „Auch aus diesen Gründen ist es wichtig, Bodenabträge zu verhindern.“ Wird eine Zusammenarbeit gewünscht, stellen die Mitarbeiter des Projekts „boden:ständig“ im Auftrag der Kommunen die Kontakte zu den Landwirten her, bieten umfassende Beratungen zu erosionsminderender Bewirtschaftung der Ackerflächen an, erstellen Pläne und schlagen auch mal ungewöhnliche Vorgehensweisen vor. „Manchmal kann eine veränderte Flurteilung oder ein Tausch von Ackerflächen eine andere Bewirtschaftung ermöglichen, da versuchen wir zu vermitteln.“ All‘ diese Dienstleistungen seien für die Landwirte kostenlos, so Bacherle weiter. „Wenn dann konkrete Maßnahmen umgesetzt werden sollen, beraten wir auch über die Möglichkeiten der Förderungen seitens des Freistaats Bayern, denn die einzelnen Aufwendungen sind immer situationsabhängig.“ Willy Lehmeier zeigte sich im Anschluss an die Besichtigung bestätigt in seinem Denken, „dass mehrere dezentrale Lösungen sinnvoller sind als eine einzelne große Maßnahme.“ Weiter habe ihm der dabei geringere Landverbrauch gefallen. Außerdem äußerte er die Ansicht, dass solche dezentrale Lösungen, bei denen jeder einen Teil beiträgt, auch der Dorfgemeinschaft zugutekämen. Lehmeier zeigte sich entschlossen, den Kontakt zu den Spezialisten von „boden:ständig“ aufrecht zu erhalten: „Gemeinsam mit den Eigentümern und den Menschen vor Ort werden wir uns genau ansehen, wie wir weitermachen wollen und mit viel Förderung seitens des Freistaats wir rechnen können.“ Dezentrale Lösungen für einen sicheren Hochwasserschutz würden überall einfach besser ins Landschaftsbild passen, da war und ist sich der Bürgermeister sicher.

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